BeL
Rationator
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Architektur – Vorreiter der Individualisierung
Marktmechanismen am Beispiel des Einfamilienhausbaus, der Automobilindustrie und der Herrenoberbekleidung

Rationator
Rationator untersucht Aktivitäten. Das Leben ist komplex und nebensächlich zu gleich. In Einzelheiten zerlegt, erscheint es einfach und in seinen Faktoren analysierbar.
Rationator ist eine Maschine, die das Leben in Form von einzelnen Aktivitäten analysiert.
So kann zum Beispiel die Aktivität Möhrenschälen in ihrer Qualität, Quantität und in der für sie relevanten Zeiteinheit auf Dauer und Frequenz analysiert werden. Parallel dazu kann die Aktivität Braut über die Schwelle tragen in ihrer Qualität, Quantität und in der für sie relevanten Zeiteinheit auf Dauer und Frequenz und ihrem Verhältnis zur Aktivität Möhrenschälen analysiert werden.
Die Auswertung dieser Analysen können Aufschluss für Bedingungen des Raumes, in dem Aktivitäten stattfinden, geben.

Kommunikation
Rationator von BeL ist real.
Rationator ist der Entwurf eines Einfamilienhauses im Bergischen Land. Es liegt ein Angebot über ein Massivhaus der Firma Klosterbau Massivhaus GmbH vor. In Abstimmung mit Dipl. Ing. A. Försterling präzisieren die Bauherren ihre Vorstellungen. Das Architekturbüro BeL wird parallel dazu mit der Erstellung eines Vorentwurfes beauftragt. Der Preis dieses Einfamilienhauses inklusive Grundstück beträgt 380.000,- Euro.
Das Massivhaus der Firma Klosterbau Massivhaus GmbH, ein Einfamilienhauses ohne Architekten und Rationator von BeL, ein Einfamilienhaus mit Architekten werden neutral nebeneinander gestellt. Als zusätzliche Kommunikationsmittel wird ein Referenzprojekt eines Einfamilienhauses aus den 60er Jahren von einem Architekten verwendet.
Als Mittel des Vergleichs der drei Projekte dienen Schnitte, Grundrisse und eine Analyse der Umgebungsfaktoren (Besonnung, Wind, Blick, Verhältnis zur Öffentlichkeit ) und der internen Faktoren (Teilbarkeit ). Das Referenzprojekt wird zusätzlich durch eine Besichtigung erläutert.
Die Ausstellung zeigt den Prozess des Entwurfes des Einfamilienhauses von Architekten nach 5 Wochen.

Einfamilienhaus – Pkw – Herrenanzug
95% aller in Deutschland gebauten Einfamilienhäuser werden ohne Architekten gebaut.
200.000 Stück werden pro Jahr gebaut, davon sind 10.000 von Architekten, 500 davon bemerkenswert.
Der durchschnittliche Preis eines Einfamilienhauses inklusive Grundstück beträgt 350.000,- Euro, das Einfamilienhaus von einem Architekten kostet 100% des durchschnittlichen Preises.
1. Vergleich: Es werden 3.000.000 Neuwagen pro Jahr in Deutschland gekauft, davon sind 12.500 von der Firma Porsche und 500 von der Firma Ferrari.
Der durchschnittliche Preis eines Neuwagens beträgt 25.000,- Euro, ein Porsche kostet 69.000,- Euro also 275 %, ein Ferrari 138.000,- Euro also 550% des durchschnittlichen Preises.
2. Vergleich: Es werden 3.500.000 Herrenanzüge pro Jahr in Deutschland verkauft. Davon sind 10.000 Maßkonfektionsanzüge und 2000 Maßanzüge.
Der durchschnittliche Preis eines Anzuges beträgt 150,- Euro, ein Maßkonfektionsanzug kostet 450,- Euro, also 300 %, ein Maßanzug 2.000,- Euro, also 1.300% des durchschnittlichen Preises.

350.000,- Euro = 350.000,- Euro
Die Gesamtkosten für Einfamilienhaus mit Grundstück, ohne Architekten vermarktet , sind gleich der Gesamtkosten für Einfamilienhaus mit Grundstück, mit Architekten geplant.
Das Ziel einer Massenproduktion ist die Preissenkung für den Endverbraucher. Ein Massenprodukt besitzt die Eigenschaften und Möglichkeiten die Planer ihm gegeben haben. Eine Maßanfertigung besitzt die Eigenschaften und Möglichkeiten die Planer und Verbraucher ihm gegeben haben. Für die Preissenkung gibt der Endverbraucher die Möglichkeit auf, bei der Planung des Produktes mitzuwirken. Er nimmt nicht an der Planung teil, sondern wählt aus vorgegeben Varianten aus. Für einen geringeren Preis nimmt der Verbraucher in Kauf , dass ein Produkt zwar generisch seinen Anforderungen entspricht, spezifisch aber nicht auf seine Wünsche eingehen kann.
Beim Haus als Massenprodukt geht es nicht um Preissenkung: Massenprodukt und Maßanfertigung sind gleich teuer. Wieso gibt der Verbraucher die Möglichkeit einer individuellen Planung des Produktes auf? Wieso akzeptieren oder wünschen sich gar Einfamilienhausbauer ein Haus, das unter Minimierung des Planungsaufwands ausschließlich konventionelle und unspezifische Lösungen bietet?

Was unterscheidet die Massenfertigung von individueller Architektur?
Auffälligstes Merkmal industrieller Vertriebsmethoden im Einfamilienhausbau ist die sofortige Informationsmenge und Tiefe des Angebots. Beim ersten Kundenkontakt wird ungesehen von den näheren Umständen des Bauvorhabens wie Grundstück, Lage, Familiensituation, Sozialisierung, Vorlieben, etc, ein umfassendes und detailliertes Angebot zum neuen Haus gemacht. Dort kann der Bauherr die genauen Maße der Fensterbänke und ihre Materialität ebenso erfahren wie den Hersteller der elektrischen Installation, die Länge der Auskragung von Ortgang und Traufe oder den im Angebot beinhalteten Fundamenterder.
Zwar wird bei allen Anbietern mit Nachdruck die Einzigartigkeit des Bauvorhabens und die intensive Planungsbetreuung gepriesen, die Ergebnisse geraten aber ausnahmslos konventionell. Während prinzipielle Entwurfsfaktoren nicht behandelt werden, wird die Aufmerksamkeit auf Nebenschauplätze verlagert.
Bei den Entscheidungen für die größte Investition im Leben der durchschnittlichen deutschen Familie treten in der Realität wiederkehrende Verhaltensmuster auf. Industrielle Anbieter haben die Befriedigung dieser Mechanismen optimiert. Die reibungslose Abwicklung des Bauvorhabens tritt in den Vordergrund, Preis - und Terminsicherheit sowie die Bündelung der Entscheidungsphase am Beginn des Bauprojekts entlasten die Bauherren. Darüber hinaus werden Verantwortungen der Bauherren und Fachleute pauschal in verschiedenen Gratisdienstleistungen wie Grundstücks- oder Finanzierungsservice zusammengefasst und können ohne großen Aufwand abgerufen werden.
Der sorglosen Planungsabwicklung wird die intensive Entwicklung einer individuellen Problemlösung geopfert. Obwohl der Erstellungszeitraum in der Regel nur 3% der Nutzungszeit des Bauherren und weniger als 1% der erwarteten Lebensdauer eines Einfamilienhaus ist, bestimmt der Planungskomfort die Ausprägung des Hauses.

Konvention
Die Beschränkung auf typologische und organisatorische Konventionen erlaubt den industriellen Produzenten eine Optimierung der Herstellungsprozesse, vor allem aber der Vertriebsstrukturen. Im Vergleich zu anderen Industrien sind die Produktionsverfahren im industrialisierten Bauen primitiv. Mehrheitlich entstehen die Bauvorhaben nach herkömmlichen Methoden, auch schlagen sich die unterschiedlichen Fertigungsmethoden wie Holztafelbauweise oder Mauerwerksbau kaum in den Herstellungskosten nieder. Das Angebot der Baumaterialien und Konstruktionsmethoden ist ausschließlich auf die Befriedigung der Marktbedürfnisse ausgerichtet, Rationalisierung wird durch größere Stückzahlen standardisierte Produkte erzielt.
Der Markt wird von einer Vielzahl mittelständischer Unternehmen geprägt, wovon selbst die größten kaum mehr als 1.000 Häuser pro Jahr herstellen.
Entgegen des ersten Eindrucks haben die angebotenen Häuser nur untergeordnete Beziehungen zu traditionellen Bauformen, vielmehr wird mit der unendlichen Variation des immer gleichen Grundmusters ein neuer Typus geschaffen.

 

Nachbemerkung
Die Positionierung der Marke Porsche
Ein Porsche verkörpert seit jeher Individualität, Freiheit und Unabhängigkeit. Mit unverwechselbarem Design und eigenständigem Charakter ist Porsche das Gesicht in der Menge. Die Sportwagen aus Zuffenhausen bringen scheinbare Gegensätze miteinander in Einklang: Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit, Tradition und Innovation, Schönheit und Funktionalität. Unsere Zielgruppen erkennen einen Porsche als einzigartiges Fahrzeug mit eigenständiger Persönlichkeit und verstehen ihn als Produkt "sui generis", das sich gewissermaßen seine eigene Gattung und seine eigene Nische geschaffen hat.
Hiervon wird Porsche künftig noch stärker profitieren können. Seit den späten neunziger Jahren werden prestigeträchtige und leistungsstarke Fahrzeuge nämlich weniger als reines Statussymbol gesehen, sondern vielmehr als Möglichkeit, Individualität und Unabhängigkeit Ausdruck zu verleihen. Diesen zunehmenden Individualisierungstendenzen entspricht Porsche mit Fahrzeugen, die ihrem Besitzer mit starker Produktpersönlichkeit und scharfem Imageprofil einen intensiven emotionalen Bezug vermitteln. In der Kundenbetrachtung tritt zudem der rationale Gebrauchswert des Produktes zugunsten spezifischer Erlebniswerte tendenziell in den Hintergrund. Verbunden ist dies mit verstärkter Rückbesinnung auf Originalität und Authentizität, auf traditionelle, dauerhaft gültige Werte.
(Aus dem Geschäftsbericht der Porsche AG © 2002 Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG)